Paduaner

Paduaner Hahn silber-schwarzgesäumt
Paduaner Hahn silber-schwarzgesäumt

Die Paduaner sind eine Geflügelrasse die auf eine sehr lange Geschichte zurückblicken darf und bereits auf verschiedenen frühneuzeitlichen Abbildungen in ähnlicher Körperform wie heute zu erkennen ist. Der Name der Paduaner geht auf die italienische Stadt Padua zurück - die tatsächliche Herkunft bzw. der Ursprung dieser Rasse ist aber nur schwer zu rekonstruieren. Unverkennbar ist in jedem Fall eine Verwandtschaft zu anderen Hauben- bzw. Barthühnern deren Herkunft häufig auf Polen oder Russland zurückzuführen ist. Die Haube, der Bart, die fehlenden Kehllappen und der nicht vorhandene Kamm sind als natürlich entstandene Anpassung an das rauhe Klima zu sehen und haben, wenn auf die Sichtfreiheit   geachtet wird, nichts mit "Qualzucht" zu tun wie gerne Verlautbart wird. Fakt ist, dass seit dem 18. Jahrhundert Paduaner in den heute noch erhaltenen Hauptfarben im deutschen Sprachraum gezüchtet werden. Grundsätzlich sind Paduaner mittelgroße, leichtgebaute Hühner in Landhuhnform mit aufrechter Haltung, glatt anliegenden Gefieder, voller Rundhaube und dichtem Bart. 

Sind heute Paduaner eher zu den leichteren Hühner (um die 2 kg) zu zählen so finden sich Quellen in denen die Rasse als groß und schwer gelobt wurde. So schrieb Matturin-Jacques Brisson im Jahre 1760 in seiner Ornithologie: "Das Paduanische Huhn unterscheidet sich vorzüglich durch die Größe, nach welcher es das gemeine Huhn noch einmal übertrifft und dem Auerhahn gleichkommt, daher der Hahn acht bis zehn Pfund wiegt." (Übersetzung nach Schöne, 1999). Seit dem deutschen Geflügelkongress 1869 werden die vollhaubigen und kammlosen Tiere mit Vollbart "Paduaner" genannt und exakte Zuchtziele verfolgt. 1893 schrieb Jean Bungartz in seinem illustrierten "Handbuch zur Beurtheilung der Rassen des Haushuhnes" über die Rasse: "Die Paduaner in den verschiedensten Varietäten sind ausschließlich Luxushühner und erkennbar an dem vollen Federbüschel auf dem Kopfe. Mit Vorlieb wird dieses reizende Huhn allerorten gezüchtet, namentlich in den Städten, da dasselbe sich vermöge seiner Genügsamkeit und seines zutraulichen Charakters leicht halten läßt. Sämmtliche Farbenschläge dieser Race sind leidliche Leger die sich höchst selten zum Brüten verstehen."  Heute bezeichnet kaum jemand die Paduaner noch als Luxushühner - und mit einer durchschnittlichen Legeleistung von etwa 120 Eiern pro Jahr lässt sich der Eigenbedarf gut decken. Seltene Liebhabertiere sind sie allerdings noch immer und der Erhalt der Rasse aufgrund des engen Genpools eine Herausforderung.

 

 

 

Anerkannte Farbschläge:

 

Silber-Schwarzgesäumt

Perlgrau
Allgemeine Informationen:
Gewicht: Hahn 2-2,5 kg, Henne 1,5-2kg

Bruteier-Mindestgewicht: 48g

Legeleistung pro Jahr: 120

Schalenfarbe der Eier: weiß

Ringgröße: Hahn 18, Henne 16

 

Die Haltung von Paduanern unterscheidet sich nicht wesentlich von der anderer Hühner. Ein entsprechendes Platzangebot (täglicher Auslauf), ein zugfreier, trockener Stall und qualitativ hochwertiges Futter sollten selbstverständlich sein. Sandbäder mit Kieselgur schützen vor Parasiten und dienen der Gefiederpflege weshalb sie zu jedem gut eingerichteten Hühnerheim gehören sollten.

Speziell Exemplare mit (zu) großen Hauben benötigen ab und zu eine kleine Extrabehandlung in Form eines Stutzens der Haube. Die schmerzliche Erfahrung hat leider gezeigt, dass Haubenhühner allgemein (auch wenn das Sichtfeld nach vorne und zur Seite uneingeschränkt ist) durch die Haube mitunter beeinträchtig sein können was das frühzeitig Erkennen von Angriffen aus der Luft (Greifvögel!) betrifft. Solche Begegnungen zwischen Paduanern und Greifvögeln gehen immer zu Ungunsten der Hühner aus - oft ist eine Übernetzung des Auslaufs die einzige Alternative! Eine Option die ich gewählt habe. Ebenso ist es wichtig Paduaner vor Regengüssen und nassem Schnee zu schützen -  nicht die Kälte (meine Paduaner sind auch im Tiefschnee im Auslauf unterwegs) sonder die Nässe tut ihnen alles andere als gut. 

 

Zur Zucht empfiehlt sich sowohl bei Zwerg- als auch bei Paduanern wie bei den meisten Hühner eine nicht allzu hohe Hühneranzahl pro Hahn um eine gute Befruchtungsrate zu gewährleisten. Bei beiden Rassen ist der Bruttrieb leider nicht mehr sonderlich ausgeprägt und Naturbruten stellen eher eine Seltenheit dar. Vermieden werden soll bei Zwergpaduanern die Verpaarung von zwei gestruppten Tieren - "überstruppte" Nachkommen mit mangelhafter Federstruktur sind die Folge! Nochmals darf ich auf den engen Genpool der Tiere hinweisen - ich rate dringen dazu sich vorab über Abstammung der Tiere zu informieren bzw. über die Linien Buch zu führen - Inzucht kann schlimme Folgen haben. Ebenso sollte man sich um farbreine Zucht bemühen und Mixe zwischen den Farben (hier ist einiges an Wissen über Genetik und Vererbungslehre notwendig um fehlfärbige Tiere zu umgehen) oder gar der Groß- und Zwergrasse  vermeiden. 

 

Für die Fütterung der Zuchtstämme und der Nachzuchten empfiehlt sich hochwertiges und abwechslungsreiches Futter. Freudig nehmen Paduaner Weichfutter mit Haferflocken, gekochten Eiern, Nudeln, Reis etc. und frischen oder getrockneten Kräutern an. Oregano und Thymian aber auch Zimt seien hier ebenso wie Karotten, Zwiebeln und Knoblauch, besonders erwähnt. Ebenso dankbar sind sie über einen Schuss Obstessig im Trinkwasser welcher das Immunsystem und die gesunde Verdauung fördert.  Es kann nur empfohlen werden sich über die Möglichkeiten die oft der eigene Gemüsegarten bietet zu informieren - mit wenig Aufwand kann saisonal angepasst optimales Ergänzungsfutter ganzjährig in frischer oder getrockneter Form dargeboten werden. Die Tiere werden es mit Vitalität und Gesundheit danken.

 

Wer Paduaner gezielt und nachhaltig züchten möchte wird diese Entscheidung nicht bereuen, obwohl man vermutlich immer wieder mit Rückschlägen und Enttäuschung zu kämpfen haben wird. Die Zucht des Paduaners ist mit Sicherheit mehr als ein Hobby - es ist eine Passion die nicht mehr loslässt. Entweder man verschreibt sich dem Paduaner ganz - oder gar nicht. Eine Grauzone dazwischen gibt es nicht - halbherziges Züchten dieser speziellen Rasse hat ein rasches Ablaufdatum. Grundsätzlich gibt es wohl kein Zitat welches die Quintessenz der Paduaner-Zucht treffender zusammenfassen könnte als jenes:

 

"Paduanerhühner sind freilich keine Jedermannshühner, sondern nur etwas für Idealisten reinsten Wassers. Wenn sich der Idealismus dann auch noch mit Fingerspitzengefühl ergänzt, dann können solche Züchter mit dieser uralten Kulturrasse Erfolge erringen. Solch außergewöhnliche Rassen brauchen außergewöhnliche Menschen als Züchter und Betreuer." 

Kurt Fischer, Paduaner, seltene Kostbarkeiten, ÖKZ, 53.JG, 29.7.1998

Kurt Fischers Worten ist nichts hinzuzufügen. 

 


 

Die folgenden Darstellungen zeigen die Entwicklung des Erscheinungsbildes der Paduaner ab dem Jahr 1600 und belegen gleichzeitig die Faszination die seit jeher von Hühnern mit Haube ausgegangen ist.  

 

Paduaner Hahn: Ulisse Aldrovandi (1522–1605) - Ornithologiae tomus alter
Paduaner Hahn: Ulisse Aldrovandi (1522–1605) - Ornithologiae tomus alter
Paduaner Henne: Ulisse Aldrovandi (1522–1605) - Ornithologiae tomus alter
Paduaner Henne: Ulisse Aldrovandi (1522–1605) - Ornithologiae tomus alter
Haubenhühner - aus: Geflügel-Album : III Abtheilungen - 150 Tafeln / nach der Natur gemalt von Jean Bungartz, Thiermaler (1885)
Haubenhühner - aus: Geflügel-Album : III Abtheilungen - 150 Tafeln / nach der Natur gemalt von Jean Bungartz, Thiermaler (1885)
Der Hühnerhof - aus: Die Gartenlaube (1860)
Der Hühnerhof - aus: Die Gartenlaube (1860)
Paduaner schwarz-goldgesäumt - aus: Geflügel-Album : III Abtheilungen - 150 Tafeln / nach der Natur gemalt von Jean Bungartz, Thiermaler (1885)
Paduaner schwarz-goldgesäumt - aus: Geflügel-Album : III Abtheilungen - 150 Tafeln / nach der Natur gemalt von Jean Bungartz, Thiermaler (1885)
Paduaner silber-schwarzgesäumt - aus: Geflügel-Album : III Abtheilungen - 150 Tafeln / nach der Natur gemalt von Jean Bungartz, Thiermaler (1885)
Paduaner silber-schwarzgesäumt - aus: Geflügel-Album : III Abtheilungen - 150 Tafeln / nach der Natur gemalt von Jean Bungartz, Thiermaler (1885)


Bilder aus: Wikimedia Commons, dem freien Medienarchiv